BSK - Chronik
Prolog
Ende 1973 versuchte Major Bartels vom leKG
41 (Husum) die Erhöhung der Zulagen des FlgDst (Jet) durch eine
Petition an den Deutschen Bundestag anzuschieben. Major Langer vom AufklG
52 (Leck) nahm diese Idee auf und versuchte sie auf eine breitere Basis
zu stellen. Daraus wurde die "Aktion Fliegerzulagenerhöhung",
an der insgesamt bis zu 87 Offiziere aktiv aus allen Jet-Verbänden
teilnahmen. Diese Arbeit dauerte ca. 4 Jahre und fand mit dem fliegerischen
Tod des Major Langer aus Leck ein tragisches Ende. Trotzdem wurde sein
Mut nachträglich belohnt und führte nach langen politischen
Auseinandersetzungen zur Erhöhung der Stellenzulage (SZ) von DM
250,- auf DM 450,- (Aufwandsentschädigung (AE) zu diesem Zeitpunkt
DM 300,-). Die Vorgänge dieser Zeit wurden von Major a.D. Bartholomes
in einem Buch mit dem Titel "Die Petition" zusammengefaßt
und anschaulich dargestellt.
Vorgeschichte der Vereinsgründungen
Nach zunehmenden Anfeindungen aus der Bevölkerung
zum Thema Tiefflug/ Lärmbelästigung ("Luftrowdies")
und dem zunehmenden Gefühl der Jetbesatzungen von der politischen
und militärischen Führung allein gelassen worden zu sein,
entsprang der Gedanke, wenigstens durch eine Erhöhung der Zulagen
die Anerkennung zu erhalten, die man als angemessen empfand. Als die
bei Truppenbesuchen vereinzelt aufgetretenen Forderungen keinerlei
Beachtung fanden, trafen sich im März 1987 Besatzungsmitglieder
in Nörvenich, um die Problematik "öffentlich"
vorzutragen. Am 13.04.1987 gingen nur 30% aller geplanten Sorties
in die Luft.
Ein weiteres Treffen von Besatzungen aller Jetverbände
am 29.07.1987 hatte zum Thema, wie man sich besser organisieren kann,
um die Problematik des FlgDst (Jet) noch besser vertreten zu können.
Vor allem die Gründung von Vereinen wurde energisch gefordert.
Major v. Grolman und Hptm Gebhardt, zu diesem Zeitpunkt Vertrauensleute
(VP) in Lechfeld und Leck, versuchten auf die rechtlich abgesicherte
Stellung der VP und der Vertretung über diese vom Gesetzgeber
vorgesehene Möglichkeit hinzuweisen. Die Vereinsgründungen
wurden aber klar favorisiert. Am Ende wurde sich darauf geeinigt die
Entscheidung bei einem weiteren Treffen im September in Leck zu fällen.
Gleichzeitig sollte Major a.D. Bartholomes seine Erfahrungen aus der
Zeit der "Aktion Fliegerzulagenerhöhung" von 1979 vortragen.
Im LFlKdo wurde nun eine Arbeitsgruppe
"Fliegerzulage" eingerichtet; die Jet-Verbände meldeten
je zwei Vertreter. Mittlerweile wurde durch Verteidigungsminister Wörner
eine Erhöhung der AE auf DM 600,- (Zitat: "eine glatte Verdoppelung")
im politischen Rahmen durchgesetzt und das JaboG 35 (Pferdsfeld) gründete
im August den ersten GBsK-Ortsverein. Im September 1987 kam es dann
in Goose Bay bei der Grundsteinlegung der Halle 5 zu einem denkwürdigen
Ereignis: Der Minister fragte beim Empfang Jetbesatzungen aus Leck "wo
der Schuh drückt". Die offene, aber faire Beantwortung dieser
Frage führte, angeheizt durch den Heeresadjutanten des Ministers,
zu einer Verbalattacke des Ministers an die umstehenden Besatzungsmitglieder.
Am nächsten Tag kursierte bereits die Nachricht "...zwei Offiziere
aus Leck haben in Goose Bay den Minister rüde an der Bar angepöbelt..."
innerhalb der Luftwaffe. Die Kommandoteilnehmer, die an der Gesprächsrunde
beteiligt waren fertigten umgehend ein Gedächnisprotokoll an, in
dem der tatsächliche Hergang festgehalten wurde und unterzeichneten
dieses. Darunter waren neben zahlreichen Besatzungen auch die Namen
des Fliegerarztes, des kath. Standortpfarrers, zweier TOs und dreier
StFw der Prüfgruppe.
Das Treffen in Leck wurde daraufhin vom
Kommodore AufkIG 52 verboten und vom KG LFIKdo auf Anraten vieler Kommodores
zu einer Fachtagung LFIKdo umbenannt und am 21.09.1987 in Leck durchgeführt.
Hier trafen sich nun alle "offiziellen Vertreter" der Jetverbände
unter der Leitung von Oberst Morgenstern, der den wegen Krankheit fehlenden
KG LFIKdo hier vertrat. Seine Direktive war in einer roten Mappe klar
festgehalten: "Weitere Dienstvergehen sind strengstens zu ahnden!".
Anläßlich dieser Tagung wurde auch der Goose Bay-Vorfall
vorgetragen, allen Geschwadern zur Kenntnis gebracht und richtiggestellt.
Am 19.10.1987 wurden die beiden Lecker
Offiziere nebst Kommodore und VP vom KG LFIKdo eingeladen, um ein "klärendes
Gespräch" zu führen. In diesem Verlauf betonte der KG,
daß er alles unternehmen werde, um den Verbreiter der unwahren
Geschichte zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen. Wenige Wochen später
erhielt einer der Offiziere anonym das Protokoll der Kommodoretagung
vom September 1987 zugesandt. Diese Information verbreitete sich schnell
durch die Verbände der Lw und ließ endgültig die Gründung
von Ortsvereinen als einziges Mittel erscheinen. Es muss hier festgehalten
werden, daß die Gründung der Ortsvereine seitens der militärischen
Führung mehrheitlich negativ gesehen wurde.
Außer beim JaboG 36 (Hopsten) und
JaboG 38 (Jever) waren bis zum Frühjahr 1988 bei allen Einsatzverbänden
der Lw und Marine Ortsvereine gegründet worden. Es begann die Arbeit
im neugegründeten Sprecherrat, in dem alle Vorsitzenden der Ortsvereine
tagten. Der erste Vorsitzende des Sprecherrates war Hptm Reichenwallner
vom JaboG 32 (Lechfeld).
Ziele der Vereinsgründungen
- Wahrung der Interessen der Jetbesatzungen
(Statusklärung des BO-41, Zulagenwesen, Gründung einer Pensionskasse,
Öffentlichkeitsarbeit etc.)
- Zusammenarbeit mit anderen Interessenvertretungen
(z.B. mit dem DBwV bei Zulagenwesen, Reisekosten, etc., den Vertretungen
ausländischer Fliegervereinigungen bei internationalen Fragen,
etc.)
- Pflege der Tradition der Jetfliegerei
und ihrer Verbände in NATO und Bundeswehr (eine neue Tradition
der Jetverbände, die 1955 begann - und nicht vor 1945)
- Ehemaligenbetreuung - MERKE: Jeder ist
bereits ein potentieller Ehemaliger!!
Vereinsarbeit
Das Jahr 1988 gehörte zu den wichtigsten
und ereignisreichsten. Neben zahlreichen Flugunfällen (allein in
diesem Jahr stürzten 17 Militärflugzeuge über Deutschland
ab) war es besonders das emotionelle Umfeld in der Bevölkerung,
das sich schwer auf die Seelen der Besatzungen legte. Man fühlte
sich von der politischen und militärischen Führung allein
gelassen, was durch das sogenannte "Fleischer-Papier" vom
22.02.1988 noch verstärkt wurde. Größter Erfolg war
eine Zusammenfassung der Problematik B041, das von Major v. Grolman,
Hptm Adler und Hptm Sczesny aus Fürsty und Lechfeld erstellt wurde.
Am 31.01./ 01.02.1989 kam es zu einem großen
Hearing in den Tagungsräumen des DBwV in Bonn. Dort erklärte
man, daß ca. 80% der Jet-Besatzungen lieber heute als morgen ihren
Dienst bei der Lw quittieren würden, um zur zivilen Konkurrenz
zu gehen. Und obwohl der Bedarf bei zivilen Fluggesellschaften zu diesem
Zeitpunkt enorm war, erkannten die Besatzungen, daß es ihnen aus
vielen Gründen nicht ermöglicht wurde, einfach zu gehen: a)
wurde die Lizenz durch das Luftfahrtbundesamt (LBA) nicht anerkannt
- ca. 12 theoretische Fächer müßten nachgeholt werden
und b) eine sofortige Kündigung war durch die Minimum Stehzeit
(Restdienstzeit nach der Ausbildung) unmöglich.
Als sich dann der ehemalige InspLw, General
a.D. Steinhoff in einem Artikel in der "Welt am Sonntag" zu
Wort meldete und sich dabei die Problematik zu eigen machte, wurde die
Auseinandersetzung sachbezogener.
Zu Beginn des Jahres 1990 legten Maj v.
Grolman und Hptm Sczesny ein Tiefflugkonzept vor, das eine maßvolle
Anhebung der Tiefflugmindesthöhe auf 800 ft vorsah. Die militärische
Führung kritisierte die Veröffentlichung aufs schärfste,
musste aber bereits einige Monate später die Tiefflugmindesthöhe
auf politischen Druck auf 1.000 ft anheben.
Der Höhepunkt der Auseinandersetzung
wurde durch einen Brief von Maj v. Grolman und Hptm Sczesny an den Bundeskanzler
erreicht. Dieser Brief vom September 1989 sollte nach Aussage des InspLw
vom Dezember 1989 absolut kontraproduktiv für die Sache der Zulagenerhöhung
gewesen sein, der Bundeskanzler sei erbost und verärgert darüber
gewesen. In der Bundesdrucksache Nr. 11/ 7059 vom 03.05.1990 wurde bestätigt,
daß der Bundeskanzler weder erbost, noch verärgert gewesen
sei.
Im August 1990 wurde dann die SZ endlich
auf DM 900,- erhöht und der öffentliche Druck wich ganz langsam.
Es war zwar nicht das Ergebnis der von den GBsKs vorgeschlagenen dynamisierten,
altersangepassten SZ, aber immerhin eine Verdoppelung. Dafür aber
wurde die Häme größer, die die GBsKs als "Fliegerzulagenverein"
verspottete und durch das nachlassende Interesse der Besatzungen an
ihrem Verein als Bestätigung empfanden.
Mit dem Jahr 1989/ 90 kamen dann die ersten Kontakte mit den Jetbesatzungen
der NVA. Es wurden treffen organisiert und Informationen ausgetauscht.
Die Gründung einer GBsK im einzig aktiven Jetverband in den neuen
Ländern, in Preschen, wurde zwar am 30.05.1990 durchgeführt,
eine aktive Zusammenarbeit mit dem Bundessprecherrat und den anderen
Ortsvereinen jedoch vom dortigen Kommodore unterbunden. 1991 sollte
dann endlich der Umbau der Organisation GBsK stattfinden. Aus dem Bundessprecherrat
wurde ein Verband (VBsK). Die Anerkennung durch Bundesbehörden
z.B. bei der Mitsprache und Anhörung von Gesetzen und Verordnungen,
hat der Verband jedoch (mangels Interesse ?) bis heute noch nicht geschafft.
Mit den Vorbereitungen zum 2. Golfkrieg
im Herbst/ Winter 1991/ 92 kam noch einmal Bewegung in die Vereinigung.
Die völlig unklare Situation bei Teilnahme von Besatzungen an möglichen
kriegerischen Auseinandersetzungen am Rande des NATO-Gebiets (AMF) brachte
die Besatzungen zur Aktivität. Es sollte geklärt werden, was
passiert wenn.... - Bis zur Verlegung von Teilen des AufkIG 51 "I"
(Jagel) und dem JaboG 32 (Lechfeld) im Jahre 1995 nach Piacenza/ Italien
wurden diese Probleme nicht gelöst. Erst mit dem EG 1 (KRK) Lw
in Piacenza kamen die Antworten auf einen Fragenkatalog vom Winter 1991/
92.
Dazwischen war die Umstrukturierung der
Luftwaffe das einzige Thema, das die Jetbesatzungen zu interessieren
schien. Die ehemals aktiven Vereinsgründer waren in der Masse bereits
per gesetzlicher Möglichkeiten (Rückstufung auf Z-x oder vorzeitige
Pensionierung) aus der Luftwaffe ausgeschieden. Einige wenige engagierte
Mitglieder verblieben noch für eine Übergangszeit, der Rest
verharrte in dem Glauben, das es derzeit keine wichtigen Themen für
eine Interessenvertretung der Jetbesatzungen gäbe.
Die Zeitschrift JET-NEWS
Im Februar 1989 erschien die erste Ausgabe
der Zeitschrift "Jet-News", dem Organ der GBsKs. Sie wurde
innerhalb kürzester Zeit zum Symbol einer engagierten und modernen
Öffentlichkeitsarbeit. Die Zielgruppe war vornehmlich Politik,
Medien und Kreise von Wirtschaft und Wissenschaft. Die Redaktion war
in Leck und hatte im Auftrag des jeweiligen Bundessprechers kompetent
zu den unterschiedlichsten Themen der Jetfliegerei und Sicherheitspolitik
Stellung genommen. Garniert mit Cartoons und Zitaten wurde vor allem
offene, ehrliche Auseinandersetzung mit unserem Beruf gesucht und das
fliegerische Umfeld mit seinen vielschichtigen Aspekten beleuchtet.
Bis zu ihrem abrupten Ende im Dezember 1993, das vom eigenen VBsK-Vorstand
betriebenen wurde, galt die quartalsmäßig erscheinende "Jet-News"
in der publizistischen Öffentlichkeit als Stimmungsbarometer einer
jungen, modernen fliegenden Luftwaffe. Auch wenn es zunehmend Kritiker
in den eigenen Reihen gab, so war diese Zeitschrift doch der einzig
verbliebene Aktivposten der GBsKs. Ein Neuanfang durch zwei Ausgaben
im Jahre 1996 konnte nicht gelingen, da der alte hohe Standard nicht
erreicht wurde. So war das (vorläufige) Ende der "Jet-News"
auch das Ende der öffentlichen Interessenvertretung der Jet-Besatzungen.
Abschließende Bewertung
Die Gründung der GBsKs war und ist
ein einmaliger Vorgang in der Geschichte des deutschen Militärs.
Sie ist mit der historischen Gründung des DBwV zu Beginn der Bundeswehr
gleichzusetzen. Da jedoch der DBwV alle Soldaten im Blick haben muß,
kommen naturgemäß Sonderdienste sehr schlecht weg. Da es
sich bei den Jetbesatzungen auch noch um Sonderdienste mit relativ hohen
Gehältern handelt ist eine latente Neidsituation vorhanden. Die
Besatzungen selbst haben aber in der Masse niemals die politische Wirkung
und die Möglichkeiten dieser Vereinigung erkannt.